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15. März 2026

Vierter Fastensonntag Geschenk.Zeit

Am 4. Fastensonntag nehmen wir die Worte Geschenk - Zeit in den Blick.  Nehmt euch bitte einen Moment Zeit, um über euren Umgang mit - Zeit - nachzudenken.

Gibt es Momente, die besonders hektisch waren in dieser Woche?
Gab es auch Momente, wo ich Zeit verschwendet habe?
Was fällt mir noch auf mit Blick auf meinem Tagesablauf?

In der Stille kommen mir meine Gedanken dazu:
Gott meine Zeit steht in deinen Händen.
Aus der Fülle lebe ich.
Und wenn das Chaos mich mal bedrängt, wenn mir die Zeit zu knapp wird:
Dann, bitte, mach mich fest in dir.

Impuls

Gott du hast Zeit. Im Überfluss. Denn du bist der Ewige.
Auch mir hast du Zeit geschenkt.
Mein Leben, all diese Jahre, dass ich leben darf, dass du mich geschaffen hast -
schon das ist ein Geschenk von dir. Ich danke dir!
Ich danke dir für jede produktive Minute und für die faulen Zeiten,
fürs Schaffen und fürs Rumhängen.
Und ich bitte dich:
wenn die Zeit mal nicht ganz zu mir passt, wenn sie mal zu eng sitzt oder auch zu weit, dann: mach es passend!
Gib mir Zeit zum Luftholen, zum Atmen, zum Leben.
Schenk mir die Energie, um gute Frucht zu bringen, für das, was ich gerne mit anderen teilen möchte.
Du bist der Herr der Zeit, du hast Zeit im Überfluss, auch für mich. Dank sei Dir!

Ansprache zum Tagesevangelium (Johannes 9,1-41)

Geschrieben von Arnd Brechmann aus dem Ansprachekreis

Liebe Freundinnen und Freunde Jesu,

wer von Ihnen trägt eigentlich eine Brille oder Kontaktlinsen? Bitte einmal aufzeigen!

Das sind nicht alle, aber doch schon eine große Mehrheit. Derzeit nutzen gut 40 Millionen Erwachsene eine Brille zur Korrektur von Sehschwächen, das sind gut zwei Drittel der Erwachsenen.

Sehhilfe ist das Thema: Wir sind bei der Sehstärke eigeschränkt, beim Sehen limitiert, begrenzt.

Reden wir über Blindgeborene im Kontext der biblischen Erzählung: Man war sich einig! Da stimmt was nicht. Vollkommen logisch: Das muss eine Buße, eine Strafe für eine schwere Sünde sein. Eine Strafe Gottes!

Damals! Vor 2000 Jahren in Israel! Stigmatisierung. Ein Wert-Urteil! Eine Verurteilung!

Damals?

Im Ansprachekreis sprachen wir über die Geburt eines Kindes, das mit einer Beeinträchtigung zur Welt kam. Und die Kommentare?

War ja klar, die Mutter hat sich nie geschont, immer hart gearbeitet. Der Vater auch und die haben doch auch schon Kinder. Musste ja so kommen, klaro.

Stigmatisierung im Hier und Jetzt! Ein Wert-Urteil! Eine Verurteilung.

Da ist sie also wieder, die Psychologie des ersten Eindrucks!

Blitzschnell gewonnen, Person ab in die Schublade, wo sie dann auch bleiben wird! Ein Gehirn liebt Abkürzungen, das spart auch Energie.

Im Neandertal in der Höhle war die blitzschnelle Beurteilung die Lebensversicherung. Kommt der Nachbar in die Höhle oder etwa der gefährliche und hungrige Säbelzahntiger. Blitzschnell musste reagiert werden.
Gut. Böse. Leben. Beute. Gefressen werden.

Übrigens: Wir haben das im Lesejahr sehr lange Evangelium im Ansprachekreis am Vorbereitungsabend fokussiert. Wir haben die geplanten 41 Verse deutlich eingekürzt. Zum besseren Verständnis.

Es sind die Jünger Jesu, die das gesellschaftliche Thema Stigmatisierung des Blindgeborenen als Sündenfall mit Jesus debattieren: Wer hat denn nun gesündigt, der Mann selbst oder dessen Eltern?

Eine durch und durch dämliche Frage! Aber eine ebenso gesellschaftstypische!

Man war sich ja schließlich in der Bewertung einig: Damals die Blindgeborenen. Heute vielleicht die Politiker, die Schalke-Fans, die AFD-Wähler, die Reichen, die Erben, die Boomer, die Feuerwehrmänner!

Ein Gehirn liebt Abkürzungen, das spart auch Energie.

Jesus kreuzt die Debatte und interveniert. Er macht den Jüngern unmittelbar klar, dass ein Zusammenhang von Sünde und Krankheit Quatsch, grober Blödsinn und erst recht nicht Gott gewollt ist!

Er setzt dazu ein Zeichen macht etwas an sich Ekliges aus Speichel und Dreck.

Viele kennen das noch aus ihrer Kindheit: „Mach Spucke drauf, das hilft!“ Bei den Laienpredigern hatten wir alle Beispiele für diese Erinnerung. Und lächelten dabei.

Jesus nimmt sich Zeit für den Mann, schenkt ihm seine Aufmerksamkeit, gibt ihm einen Auftrag. Dieser muss etwas tun, sich in Bewegung setzen, agieren.

Und der Mann geht unvermittelt ohne Widerrede los zum Teich Schiloach, wäscht, reinigt sich und wird sehend! Ein Wunder, eines von sieben Mysterien, die der Evangelist Johannes in seinem Buch insgesamt schildert.

Und bei all diesen Wundern oder Werken Gottes werden die Betroffenen immer beteiligt, stellten wir im Vorbereitungskreis fest. Menschen müssen zunächst etwas tun, einen eigenen Beitrag leisten, damit das Wunder wahr wird. Das Mirakel gibt es bei Jesus nie umsonst.

Denken wir an das erste Wunder überhaupt im Johannesevangelium auf der Hochzeit zu Kana, als Maria explizit die Diener auffordert: Was er euch sagt, das tut! Nur so kann aus Wasser ein Grand Cru, allerbester Wein werden.

Diese Wunder oder Zeichen sind in den Geschichten und Erzählungen in der Frohen Botschaft aber keineswegs die Pointe, der zentrale Punkt. Sie sind ein Instrument für neue Einsichten.

Nein, Jesus zeigt die Macht und die Möglichkeiten Gottes auf, dessen ganze Herrlichkeit. Gottes Güte oder wie es heute im Text heißt: Die Werke Gottes sollen an diesem blind geborenen Mann offenbar werden. Sichtbar sein!

Die Story wird weitererzählt, die Heilung an einem Sabbat war ja bereits ein Verstoß gegen die orthodoxen Gewissheiten und Regeln. Am Sabbat ist Arbeit verboten, wie überhaupt auch Verrichtungen sämtlicher Art.

Die Pharisäer kommen ins Spiel, Anhänger einer altjüdischen, religiöspolitischen Partei. In unserem gemeinsamen Verständnis oft heuchlerische, ja sogar hochmütige Personen. Die Pharisäer eben!

Sie halten sich konsequent, eng und strikt an die Gebote des Mose, besitzen damit eine geradezu dogmatische Glaubensüberzeugung. Gleichzeitig ist ihre Perspektive auf viele Dinge des Lebens limitiert. Sie tragen Scheuklappen, haben damit ein eingeschränktes Sichtraumprofil. Dogmen engen ein. Das kennen wir aus der katholischen Kirche ja nur zu gut!

Erwischt.

Jesus hält uns den Spiegel vor: Sind wir nicht auch wie die Pharisäer?

In unseren Sichtweisen geprägt, eingeengt und vorhersehbar? Halten an Altem fest?

Der Blindgeborene dagegen profitiert doppelt, ist geheilt. In der Begegnung mit ihm allein kann er erkennen, ja glauben, dass Jesus der Gesandte Gottes, der Messias ist. Und er kann auch physisch wieder sehen.

Glauben ist das neue Sehen! Ein tieferes Sehen, Erkennen, Einordnen und Wahrnehmen.

Jesus öffnet nicht allein dem Blindgeborenen die Augen. Auch seinen Jüngern, auch uns. Er korrigiert damit unsere Sehschwächen.

Das Evangelium von heute ist damit eine starke Lupe, eine echte Sehhilfe.

Für uns alle hier in unserer Kirche, nicht nur für die Brillen- oder Kontaktlinsenträger.

Jesus lädt uns ein, andere Perspektiven zuzulassen, unsere Vorurteile und Vorverurteilungen zu überdenken. Das Schubladendenken des ersten Eindrucks zu hinterfragen. Er räumt die alten mosaischen Dogmen weg!

Er hilft uns zu erkennen: Er allein ist das neue Licht für die Welt. Das Lumen Christi. Ein früher Hinweis schon auf die Osternacht.

Jesus schenkt dem Mann am Straßenrand Zeit, Aufmerksamkeit und Zuwendung!

Dabei ist der Blindgeborene in der Geschichte bereits begnadet, gesegnet: Denn er besitzt ja bereits ein sehendes Herz.

Antoine de Saint-Exupery hat diese Metapher, dieses Bild, mit seinem wunderbaren Büchlein „Der kleine Prinz“ unvergesslich in Weltliteratur hineingegossen:

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar!

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