Die Abrissarbeiten am Turm der früheren St.-Paulus-Kirche in Essen-Gerschede haben Anfang dieser Woche die Nachbarschaft und viele Gemeindemitglieder ebenso überrascht wie die Pfarreileitung der Pfarrei St. Josef. Nach einem entsprechenden Beschluss im Pfarreientwicklungsprozess hatte die Pfarrei die Kirche vor fünf Jahren geschlossen und das gesamte Grundstück an die CSE (Caritas-SKF-Essen) verkauft. Die CSE möchte dort einen Neubau für das Hospiz Cosmas und Damian errichten. Nachdem zunächst die Kirche abgerissen worden war, um Platz für das Hospiz zu schaffen, war den Menschen vor Ort zugesichert worden, zumindest den Kirchturm als identitätsstiftende Landmarke und als Verweis auf das 1955 geweihte Gotteshaus zu erhalten und in den Neubau zu integrieren.
Nun hat die CSE der Pfarreileitung am selben Tag, an dem mit dem Abriss des Turms begonnen wurde mitgeteilt, dass sie ihre Pläne ändern musste und der Turm nun doch abgerissen wird. Eine Prüfung habe ergeben, „dass die Grundbruchsicherheit des Turms während der Ausschachtungsarbeiten und danach nicht gewährleistet werden kann, da dieser nicht standsicher ist“, teilte CSE mit. Die Tochtergesellschaft von Caritas und Sozialdienst katholischer Frauen Essen-Mitte verweist auf hohe Kosten für das Sichern und den Erhalt des Turms, die „wirtschaftlich nicht vertretbar“ seien. Deshalb müsse der Turm „unmittelbar zurückgebaut werden“.
Wäre die Pfarrei vorab über den anstehenden Abriss des Kirchturms informiert worden, hätte die Pfarreileitung diese Information zeitnah in der Pfarrei und vor allem in Gerschede verbreitet und die Menschen in einem Abschiedsprozess begleitet. „Auch wenn dieses Areal unserer Pfarrei schon lange nicht mehr gehört, hätten wir den Menschen der Paulus-Gemeinde, die rund um ihre ehemalige Kirche schon mehrere Planänderungen verkraften mussten, diese unschöne Überraschung gerne erspart“, sagt Pfarrer Ingo Mattauch, der sich zusammen mit Diakon Stefan Jochems sowie einigen Mitgliedern des Kirchenvorstandes und dem Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates am Montag vor Ort in Gerschede informiert hat.
Um die Menschen vor Ort und in der Pfarrei nicht allein zu lassen, lädt die Pfarreileitung kommenden Sonntag, 19. April 2026, um 15:00 Uhr am Abrissort in der Tangabucht zu einem Gottesdienst ein. Einladung und nähere Information dazu folgen in den nächsten Tagen.